Wir unterstützen diese Forderung des Kinderschutzbund Landesverbandes NRW vom 16.März 2026:
Dem Landtag liegt aktuell ein Plan der Landesregierung vor, nach dem künftig jährlich rund 50.000 Kinder an zwei Tagen wöchentlich aus ihrer Kita zu Sprachkursen und wieder zurück transportiert werden sollen. Der Kinderschutzbund in Nordrhein-Westfalen erwartet mit großer Besorgnis Belastungen und schädliche Auswirkungen dieser teuren Pläne für die betroffenen Kinder.
100 Millionen Euro jährlich allein für den Transport
Während mit einer gleichzeitigen Neuregelung für die Kitas in NRW fast für die Hälfte ihrer Öffnungszeit der Bildungsauftrag und die Qualitätsstandards reduziert werden, sollen nach neuen Plänen der Landesregierung ab 2028 jährlich etwa 50.000 Kinder im letzten Kita-Jahr an zwei Tagen in der Woche für je zwei Stunden zu Sprachkursen durch die Gegend gefahren werden. Allein für den Kindertransport aus den Kitas und zurück rechnet die Landesregierung mit Kosten von 100 Millionen Euro im Jahr. Welche Kinder daran aufgrund eines Sprachförderbedarfs verpflichtend teilnehmen müssen, sollen allein die Schulen eineinhalb Jahre vor der Einschulung entscheiden – nach einer Vorstellung der überwiegend dann noch vierjährigen Kinder in der Schule, also in einer fremden Umgebung mit unbekannten Personen.
Frühe Unterstützung im Alltag
Ohne Zweifel brauchen die Kinder eine gute und weiter verbesserte individuelle Förderung in den frühen Jahren. Wirksame Unterstützung findet im Alltag statt, durch individuelle Förderung, durch zusätzliche Angebote und ausreichend Personal. Diese Förderung muss möglichst früh beginnen und nicht erst im Jahr vor der Einschulung. Gewiss kommt der Förderung der Sprachkompetenz dabei eine zentrale Bedeutung zu, aber auch andere Bereiche wie etwa das Sozialverhalten müssen als Voraussetzung erfolgreichen Lernens in der Schule unterstützt werden.
Lernblockaden statt Entwicklungsfortschritte
Die sogenannten „ABC-Kurse“ sind ein maximal untauglicher Organisationsmoloch. Sie reißen Kinder aus ihrem vertrauten Alltag, fahren sie ohne Bezugspersonen in unbekannte Gruppen an fremden Orten und konfrontieren sie mit fremden Personen. Das führt bei Fünfjährigen zu Stress und löst eher Lernblockaden als Entwicklungsfortschritte aus. Ein derartiges Vorhaben ist mit dem eingebauten Hin und Her nicht kindgemäß und greift zu kurz. Diese Pläne konterkarieren gesicherte entwicklungspsychologische Erkenntnisse.
Anstatt dafür einen dreistelligen Millionenbetrag zu verbrennen, sollte dieses Geld eingesetzt werden:
- für die Verlässlichkeit und den qualitätsvollen Ausbau einer kontinuierlichen Förderung der sprachlichen wie auch der emotional-sozialen Kompetenzen von Beginn an in den Kitas,
- für eine darauf aufbauende intensive Unterstützung der Kinder hinsichtlich der Entwicklung ihrer Lernvoraussetzungen, insbesondere ihrer Sprachkompetenz im letzten Kitajahr,
- für eine engere Zusammenarbeit von Kita und Grundschule und für eine gute gemeinsame Vorbereitung auf die Schule sowie aufeinander abgestimmte Förderkonzepte.
Der Kinderschutzbund NRW appelliert daher an die Abgeordneten und Fraktionen im Landtag, sich am Kindeswohl zu orientieren und diesen Plan nicht zu beschließen. Stattdessen ist es erforderlich, unbestritten erfolgreiche Konzepte wie das mit Bundesmitteln initiierte Sprachförderprogramm und die Sprachkitas flächendeckend umzusetzen. Es ist unerlässlich, in den Kitas von Beginn an die Sprachentwicklung wirksam zu fördern und den Übergang von der Kita in die Schule in Kooperation beider Einrichtungen im Jahr vor Schuleintritt weiter zu verbessern.


